www.mediendemokratien.de Mediendemokratie
oder Mediendiktatur? Manfred
Julius Müller Niemand
kann es mehr leugnen: Alle politischen Entscheidungen in
unserem Lande (und natürlich auch in den anderen
Industrienationen) werden von den Medien im starken
Maße beeinflusst, wenn nicht sogar entschieden. Kein
Wunder also, dass der neue Sprachbegriff
Mediendemokratie" irgendwann sich regelrecht
aufdrängte. Die
Frage, die sich aus dieser veränderten Konstellation
des politischen Machtgefüges sogleich
herausschält, lautet daher zwangsläufig:
Kann eine Mediendemokratie überhaupt demokratisch
sein, müssten wir nicht korrekterweise von einer
Mediendiktatur sprechen?" Und damit sind wir auch gleich bei
der zweiten Frage: Wer sind denn überhaupt die
Medien?" Das
Meinungsdiktat der Multimillionäre Die
Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten
bekanntlich stark verändert. Leider, muss man wohl
sagen. In den fünfziger und sechziger Jahren des 20.
Jahrhunderts wurde die öffentliche Meinung noch im
großen Ausmaß von lokalen Zeitungsbetrieben
geprägt. Fast jedes kleine Städtchen hatte seine
eigene Tageszeitung und damit auch seinen eigenen
unabhängigen Verleger. Heute
bestimmen einige Dutzend Medienverlage, in dessen Portfolio
sich längst auch private Rundfunkanstalten und
Fernsehsender befinden, das öffentliche
Meinungsbild. Das
Vorrecht der Reichen, die öffentliche Meinung zu
bilden! Was
aber sind das für Leute, die in den Schaltzentralen
dieser meinungsbildenden Machtbasen sitzen? Gibt es auch nur
einen einzigen Menschen darunter, der im Monat weniger als
20.000 Euro verdient? Nun
wird mancheiner einwenden, Was soll´s, wichtig
sind doch nicht Verlagsführung und
Besitzverhältnisse, wichtig sind die Redakteure einer
Zeitung, die doch relativ unabhängig ihre eigene
Meinung vertreten dürfen". Eine
solche Einstellung kann ich beim besten Willen nicht teilen,
ich halte sie für naiv. Denn natürlich kennt jeder
Redakteur die politische Grundeinstellung seines Chefs - und
der wiederum wurde auch nach bestimmten Auswahlkriterien
eingestellt. Es besteht letztlich eine Spirale von
Abhängigkeiten. Schließlich
ist nicht einmal der Verlag selbst in seinen Entscheidungen
unabhängig! Auch er muss sich am Markt behaupten und
ist auf Anzeigen angewiesen. Anzeigen werden von den
großen Unternehmen vornehmlich dort plaziert, wo auch
das redaktionelle Umfeld stimmt. Wenn eine Redaktion also zu
sehr nach links" abdriftet, sinkt das
Anzeigenaufkommen und es droht der Absturz. Welche
Auswirkungen hat die Mediendemokratie auf die
Politik? Natürlich
hat die einseitige Interessenlage der Medienkonzerne starke
Auswirkungen auf die Politik. Denn auch die Politik kann
sich von der gelenkten Meinung der Medien nicht abkoppeln.
Wenn Parteien gute Wahlergebnisse erzielen wollen,
können sie kaum für Maßnahmen eintreten,
welche die Medien (und das Kapital) strikt
ablehnen. Ein
gutes Beispiel dafür lieferte der Bundestagswahlkampf
2005. Die CDU wollte endlich einen Einstieg in die
Umfinanzierung
der Sozialsysteme
(Mehrwertsteuer rauf, Lohnnebenkosten runter). Diese
eigentlich längst überfällige Reform war den
meisten Medienanstalten nicht genehm, sie hatten wohl
erkannt, dass dadurch die Position des Kapitals empfindlich
geschwächt würde. Dieses
kleine Beispiel verdeutlicht, wie sehr die Medien heute die
politische Richtung beeinflussen. Die Redakteure entscheiden
letztlich darüber, welche Meldungen in den Vordergrund
gerückt und welche ausgelassen oder versteckt werden.
Dabei können sie sich leicht sachlich und in der Form
korrekt geben - indem sie sich einfach auf die Meinung
Dritter berufen. Fast zu jedem Thema finden sich
Experten mit kapitalfreundlichen
Auffassungen. Alles
nur Zufall? Mit der Mediendemokratie kam der
Abstieg! Seit
1980 geht es in Deutschland wirtschaftlich bergab. Trotz
fantastischer technologischer und produktiver Fortschritte
sinken
die Reallöhne
und steigen
die Arbeitslosenzahlen.
Der Abstieg läuft nahezu parallel mit dem
Konzentrationsprozess der Presse. Ist es also nur purer
Zufall oder steckt doch mehr dahinter: Je mehr
Mediendemokratie (oder sagen wir doch lieber
Mediendiktatur), desto schlechter geht es uns. Die
Mediendemokratie und der neoliberale Wahn Wir
reden immer wieder stolz von unserer Pressefreiheit - aber
wo und wann werden die wirklich relevanten Fragen in de
Medien gestellt oder überhaupt zugelassen? Kritik
an der EU und der Globalisierung hält unsere
Mediendemokratie offenbar für unangebracht. Und wenn
doch einmal eine Diskussion aufkeimt, wird von den Ursachen
der Probleme (das globale
Dumpingsystem)
geschickt abgelenkt. Statt über Maßnahmen gegen
den ruinösen weltweiten Preiswettbewerb nachzudenken,
werden neoliberale Ansinnen als einzige Alternative
propagiert (längere Arbeitszeiten, Lohnsenkungen,
Sozialabbau) bzw. die ewigen Dauerforderungen
heruntergeleiert (Bürokratieabbau, bessere Bildung
usw.). Keine
Hetzkampagne
Mit
geht es in diesem Aufsatz nicht darum, die Bevölkerung
gegen die Medien aufzubringen. Auch halte ich die
Meinungsmacher" natürlich nicht generell für
schlechte oder unaufrichtige Menschen. Schließlich
machen alle nur ihren Job und versuchen ihr Bestes zu geben.
Es sind also nicht die Menschen, die ich anklage, sondern
das System. Mir
kommt es darauf an, das Prinzip und die Schwächen
dieser Mediendemokratie aufzudecken, um damit die
Manipulation
der öffentlichen
Meinung
zu erschweren. Wer die Hintergründe für bestimmte
Grundwerte vieler Verlage kennt (Stichwort Neoliberalismus),
wird auch auf professionell verpackte Propaganda nicht mehr
so leicht hereinfallen. Er wird auch die Lösungen von
Staatsproblemen nicht mehr unbedingt bei denen suchen, die
vom jetzigen Prinzip der kapitalistischen
Ausbeutung
profitieren bzw. selbst dort eingebunden sind. Seit
25 Jahren sinken in Deutschland die
Löhne,
obwohl der technische Fortschritt eigentlich
eine Steigerung von 70 %
hätte einbringen müssen. Erst wenn die Medien
mehrheitlich anfangen, diesen eklatanten Widerspruch
zuzugeben und echte Lösungsansätze nicht mehr zu
torpedieren suchen, hätte unsere Mediendemokratie ihre
erste Bewährungsprobe bestanden. Kommentar
zu diesem Artikel (Nr. 309) abgeben? ©
Manfred J. Müller, Flensburg, 2006 Weiterführende
Texte: Bundestagswahlen
als Feigenblatt der
Demokratie? Die
große Angst vor
Volksenscheiden! Wer
oder was ist soziale Gerechtigkeit? Mutiert
das Bundesverfassungsgericht zum obersten
Wächterrat? Warum
sperrt sich die Politik so strikt gegen die Abkoppelung vom
globalen Dumpingsystem?
Manfred
Müller betreibt über 30 politische Websites, unter
anderem: www.anti-globalisierung.de,
www.neo-liberalismus.de,
www.kapitalismus-online.de,
www.umweltschutz-klimawandel.de,
www.presse-club.de,
www.weltwirtschaft-globalisierung.de,
www.globalisierung-welthandel.de,
www.das-kapital.eu Interessant
sind sicher auch folgende Spezialthemen: Freihandelszone,
Mehrwertsteuererhöhung,
Biogas,
Pressefreiheit,
Renten,
Demokratie,
Kommunismus,
Sozialreformen,
Mindestlohn,
Exportweltmeister,
Mehrwertsteuer,
China,
Kombilohn.
Ursachen
der Globalisierung,
Deutschland
und die Globalisierung,
Globalisierung
und Wirtschaft,
Nachteile
der Globalisierung,
Folgen
der Globalisierung.
Im Laufe der Zeit hat sich dies durch den sich
verstärkenden Konkurrenzdruck völlig
verändert. Der kleine souveräne lokale
Zeitungsverleger ist ausgestorben, ihn gibt es quasi nicht
mehr. Eine Lokalzeitung nach der anderen wurde von
größeren Verlagen aufgekauft. Es fand ein
Konzentrationsprozess statt, worunter die Meinungsvielfalt
spürbar gelitten hat.
Wie objektiv können solche Großverdiener sein?
Kann sich ein Millionär überhaupt in die Sorgen
und Nöte eines Normalbürgers hineinversetzen? Kann
oder wird er objektiv urteilen, wird ihm also das
Allgemeinwohl wichtiger sein als sein eigener finanzieller
Erfolg?
Kein Redakteur möchte dumm auffallen, keiner
möchte eine Sache vertreten, für die er eventuell
in Ungnade fällt. Die Konkurrenz und Existenzangst auch
unter den Journalisten ist groß - wer ist schon
völlig selbstlos und denkt nicht an seine eigene
Zukunft und das Wohl seiner Familie?
Mit völlig unsachlichen Argumenten und unwahren
Behauptungen wurde daher das Wahlvolk gegen die
Mehrwertsteuererhöhung aufgewiegelt. Die Folgen sind
bekannt: die CDU sackte in den letzten Wochen in der
Wählergunst stark ab und musste wegen des schlechten
Wahlergebnisses eine große Koalition mit der SPD
bilden.
Die Redaktion braucht also lediglich die Beiträge
geschickt selektieren und nur diejenigen zu Wort kommen
lassen, die ihnen genehm sind - und schon dirigiert man die
Meinung so, wie man es gerne hätte.
Über den Sinn oder Unsinn der Europäischen
Union,
über den Euro,
die Hintergründe der Globalisierung
- über all diese wirklich auf den Nägeln
brennenden Schicksalsfragen hat es in den Medien (und damit
auch in der Öffentlichkeit) keine große Debatten
gegeben.
Die Betroffenen müssen sich diesem System unterwerfen
um erfolgreich zu sein, also tun sie es auch.
Kann die nächste Bundestagswahl für eine
politische Kursänderung sorgen? Was kann der
Wähler überhaupt beeinflussen?
Müssen
bundesweite Volksentscheide sein oder genügt die
parlamentarische Demokratie?
Wer
wirklich soziale Gerechtigkeit will, muss unser Land vom
globalen Dumpingwettbewerb abkoppeln!
Gibt
es für das Bundesverfassungsgericht noch Grenzen? Hat
das Bundesverfassunggericht immer das letzte
Wort?
Gibt
es ein kollektives Versagen unserer Volksvertreter oder ist
der Niedergang Deutschlands unabwendbar?
Manfred
Julius Müller
analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche
Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige
Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte
neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue
Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in
wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten.
Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a.
"Das
Kapital und die
Globalisierung".